Die Stadt Groß-Gerau erhält aus einem Sondervermögen des Bundes 8,26 Millionen Euro. Dieses Geld ist ausdrücklich kein Haushaltsausgleich und kein Reparaturtopf. Es darf weder für den Schuldendienst noch für reguläre Sanierungsmaßnahmen bestehender Infrastruktur verwendet werden. Das Sondervermögen wurde geschaffen, um zusätzliche, zukunftsgerichtete Investitionen zu ermöglichen – Investitionen, die sonst nicht oder nur sehr schwer realisierbar wären. Es geht nicht darum, Versäumnisse der Vergangenheit auszugleichen, sondern darum, neue Perspektiven für unsere Stadt zu eröffnen.
Nicht Bewahren um jeden Preis – sondern Gestalten mit Verantwortung
Natürlich müssen Schwimmbäder, Straßen, Gebäude und andere Einrichtungen instandgehalten werden. Das gehört zur kommunalen Verantwortung und sollte aus dem regulären Haushalt, durch Rücklagen und langfristige Planung erfolgen.
Wenn Sondermittel jedoch dafür eingesetzt würden, Pflichtaufgaben nachträglich zu finanzieren, wäre das:
- kurzfristig bequem,
- langfristig falsch
- und dem Zweck des Sondervermögens nicht angemessen.
Die zentrale Frage lautet daher nicht: Was ist dringend sanierungsbedürftig? Sondern: Was braucht unsere Stadt in Zukunft?
Das Bauhofgelände in der Mühlstraße: eine einmalige Chance
Mit dem Umzug des städtischen Bauhofs entsteht auf einem zentral gelegenen, städtischen Grundstück eine seltene Möglichkeit: Wir können nicht nur bauen – wir können Haltung zeigen. Statt in bestehende, überholte Strukturen zu investieren, soll hier ein Zukunftsprojekt für die Stadtgesellschaft entstehen: ein besonderes Wohnkonzept, das soziale, demografische und ökologische Herausforderungen gemeinsam denkt.


Ein Wohnkonzept für die Stadt von morgen
Wohnen für Auszubildende und Studierende
Bezahlbarer Wohnraum für junge Menschen ist ein Schlüssel, um Groß-Gerau lebendig und zukunftsfähig zu halten.
Gezielte Wohnangebote für Auszubildende und Studierende:
- erleichtern den Einstieg ins Berufsleben
- stärken lokale Betriebe und Ausbildungsplätze
- binden junge Menschen frühzeitig an unsere Stadt.
Wohnen für junge, alleinerziehende Mütter
Alleinerziehende Mütter stehen oft unter besonderem Druck – finanziell, organisatorisch und sozial.
Ein geschütztes Wohnangebot ermöglicht:
- Sicherheit und Stabilität
- Raum für Ausbildung, Beruf und Kindererziehung
- echte Perspektiven statt dauerhafter Belastung.
Das ist keine Sonderbehandlung, sondern soziale Weitsicht.
Wohnen für Seniorinnen und Senioren
Der demografische Wandel ist Realität. Gleichzeitig steigen Pflegekosten und der Fachkräftemangel nimmt zu.
Ambulant betreute Senioren-Wohngemeinschaften:
- wirken Einsamkeit entgegen
- fördern Selbstständigkeit und Lebensqualität
- entlasten Pflege- und Gesundheitssysteme langfristig.
Grün statt Asphalt – ein autoarmes Quartier
Das Quartier verzichtet weitgehend auf Parkplätze zugunsten von:
- ökologischen und biodiversen Grünflächen,
- Aufenthaltsqualität und Begegnungsräumen.
Lediglich wenige Stellplätze mit E-Ladesäulen für Pflegedienste sind vorgesehen. So entsteht ein Ort, der Lebensqualität vor Blech stellt.
Bezahlbar durch bewusste Einfachheit
Um dieses Projekt wirtschaftlich tragfähig zu machen, wird auf überzogenen Komfort verzichtet.
Gebaut wird:
- funktional
- robust
- kostenbewusst.
Nicht alles, was heute als „Standard“ gilt, ist notwendig – aber alles, was notwendig ist, wird gut gemacht.
Unser Anspruch
Die 8,26 Millionen Euro sollen nicht Probleme der Vergangenheit überdecken, sondern Lösungen für die Zukunft schaffen.
Das Wohnprojekt auf dem ehemaligen Bauhofgelände steht exemplarisch für eine Stadtpolitik, die:
- Verantwortung übernimmt,
- langfristig denkt,
- und den Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Groß-Gerau hat die Chance, heute die Stadt von morgen zu bauen.
Meinung von Raimund Schreckenberger, Sprecher des Ortsverbandes und Magistratsmitglied; Fotos: Ulla Blohberger
