Die Straßen- und Radwegbeleuchtung ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits stellt Dunkelheit für Menschen ein Sicherheitsrisiko dar, andererseits fügt herkömmliche Beleuchtung der Natur erheblichen Schaden zu. Lichtverschmutzung stört den Tag-Nacht-Rhythmus von Pflanzen und Tieren. Nachtaktive Insekten verlieren die Orientierung und werden von Lichtquellen angelockt. Allein in Deutschland sterben schätzungsweise 1,2 Milliarden Insekten pro Sommernacht durch Straßenbeleuchtung. Auch Zugvögel und andere nachtaktive Tiere werden durch künstliches Licht in ihrem natürlichen Verhalten gestört.
Main Light: Nachhaltige Beleuchtung für Radwege
Im Rahmen der „World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026” zeigen die Designer Tobias Trübenbacher und Andreas Lang mit ihrem Projekt „Main Light”, dass es auch anders geht. Von Mai bis Oktober 2026 wird am Radweg zwischen Frankfurt und Offenbach ein Pilotprojekt realisiert, das Sicherheit und Umweltschutz vereint.
So funktioniert die innovative Technologie:
Die Leuchten sind energieautark durch Solarfolien: Bunte Solarfolien fangen tagsüber Sonnenlicht und erzeugen daraus Strom. Die Leuchten kommen komplett ohne Stromleitungen oder aufwändige Fundamente aus – das spart Ressourcen bei Installation und Betrieb.
Eine intelligente Bedarfssteuerung sorgt dafür, dass Infrarot-Bewegungssensoren das Licht nur aktivieren, wenn tatsächlich Menschen vorbeikommen. Dabei unterscheidet die Technologie zwischen kleinen Tieren und Menschen. Bei Nichtnutzung dimmt sich die Beleuchtung auf zehn Prozent Helligkeit oder schaltet sich komplett aus.
Das Lichtspektrum mit einer extrawarmen Farbtemperatur von 2.800 Kelvin ist speziell auf die Bedürfnisse von Insekten abgestimmt. Zudem sind die Leuchten nach unten gerichtet (Full-Cutoff-Design), sodass kein Licht nach oben abstrahlt und die Lichtverschmutzung minimiert wird.
Der entscheidende Unterschied:
Herkömmliche Straßen- und Radwegbeleuchtung brennt die ganze Nacht durch, strahlt oft nach oben ab und nutzt Lichtspektren, die Insekten massiv anlocken. Zudem benötigen sie eine kostspielige unterirdische Infrastruktur mit Stromleitungen und sind auf das öffentliche Stromnetz angewiesen.
Main Light hingegen:
- erzeugt Energie klimaneutral vor Ort
- leuchtet nur bei Bedarf
- schützt Insekten durch angepasstes Lichtspektrum
- vermeidet Lichtverschmutzung durch gerichtetes Licht
- kommt ohne aufwändige Infrastruktur aus und
- macht nachhaltige Energieerzeugung im Stadtbild sichtbar
Was bedeutet das für Groß-Gerau?
Auch bei uns gibt es Rad- und Fußwege, die aus Kostengründen oder aufgrund fehlender Infrastruktur bisher nicht beleuchtet werden können. Gleichzeitig gibt es Wege, die die ganze Nacht über beleuchtet sind, obwohl nur wenig Verkehr herrscht. Das Main-Light-Projekt zeigt beispielhaft, wie sich die Infrastruktur für Radfahrende und Fußgänger:innen durch eine klimaneutrale und ressourcenschonende Beleuchtung verbessern lässt – und das ohne aufwändige Tiefbauarbeiten und laufende Stromkosten.
Dieser Ansatz passt perfekt zu unserem Engagement für die UN-Agenda 2030: Mit innovativer Beleuchtung können wir zu den Zielen nachhaltigere Energie (SDG 7), nachhaltige Stadtentwicklung (SDG 11) und Klimaschutz (SDG 13) beitragen. Gerade bei der Ausweisung neuer Wege oder der Aufwertung bestehender Verbindungen sollten wir solche zukunftsweisenden Lösungen berücksichtigen – für mehr Sicherheit, einen geringeren Energieverbrauch und den Schutz unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt.
Mehr Informationen: Main Light bei der WDC 2026
Beitrag; Ulla Blohberger, Foto: Benni Fish (pexels.com)
