CSD in Groß-Gerau: Gemeinsam stark für Vielfalt

Rund 300 Menschen kamen am Samstag zum Christopher Street Day in Groß-Gerau. Unter dem Motto „Queer im Kreis, gemeinsam stark“ wurde daraus ein Tag mit ganz unterschiedlichen Tönen: berührend und nachdenklich in der Stadtkirche, sichtbar und entschlossen auf den Straßen und schließlich fröhlich, laut und wunderbar schrill auf dem Sandböhl.

„Anders als gedacht“ – die Regenbogen-Andacht

Der CSD begann mit einer Regenbogen-Andacht in der evangelischen Stadtkirche. Unter dem Motto „anders als gedacht“ entstand dort eine außergewöhnlich liebevoll gestaltete Andacht: nachdenklich und ergreifend, offen und voller Zuversicht. Pfarrerin Josephine Haas und Martin Franke-Coulbeau, evangelischer Dekan für Groß-Gerau/Rüsselsheim, gestalteten sie gemeinsam; Kantorin Wiebke Friedrich gab ihr mit ihrer Musik eine besondere Atmosphäre.

Im Mittelpunkt standen Vielfalt, Hoffnung und die Kraft der Liebe – aber auch die Erfahrung, dass Menschen noch immer ausgegrenzt werden, weil sie sind, wie sie sind, oder lieben, wen sie lieben. Die sehr gut besuchte Stadtkirche zeigte auf besondere Weise, was an diesem Samstag immer wieder zu erleben war: Vielfalt trennt eine Gesellschaft nicht. Sie gehört zu ihr.

Sichtbar durch Groß-Gerau

Anschließend zog die Demonstration durch die Groß-Gerauer Innenstadt. Matthias Roth, Geschäftsführer der Pro-Familia-Fachstelle Queerformat, brachte zum Auftakt auf den Punkt, warum diese Sichtbarkeit weiterhin notwendig ist: Angst darf nicht darüber entscheiden, ob Menschen sein können, wer sie sind.

Landrat Thomas Will begleitete den Demonstrationszug und setzte in seiner Ansprache ein ebenso klares Zeichen gegen Mobbing und Queerfeindlichkeit. Sein Satz „Freiheit ist unsere Freiheit. Wir sind da, wir sind bunt und wir sind viele.“ traf die Stimmung des Tages.

Wir GRÜNE Groß-Gerau hatten im Vorfeld öffentlich zur Teilnahme aufgerufen und angeregt, dass Stadtgesellschaft und Kommunalpolitik gemeinsam sichtbar werden. Genau das ist gelungen: Die Erste Stadträtin Susanne Theisen-Canibol, Vertreterinnen und Vertreter verschiedener demokratischer Parteien, viele engagierte Menschen aus Groß-Gerau und dem Kreis sowie nahezu der gesamte Ortsvorstand der GRÜNEN Groß-Gerau und Teile unserer Fraktion waren dabei.

Auf dem Sandböhl durfte es anschließend ausgelassen werden. Aus der politischen Demonstration wurde ein buntes Fest mit Begegnungen, Gesprächen, Musik und jeder Menge Lebensfreude.

Spätestens mit Coco von der Line und Chouchou La Belle war jede Gefahr gebannt, dass dieser Nachmittag womöglich zu dezent enden könnte. Die beiden Dragqueens begeisterten mit Witz, Glamour und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein.

Es wurde laut. Es wurde schrill. Es wurde gelacht und gefeiert. Und vielleicht war gerade diese Fröhlichkeit eines der stärksten Zeichen dieses CSD: Menschen müssen sich für ihre Vielfalt nicht rechtfertigen. Sie dürfen sie feiern. Groß-Gerau hat an diesem Samstag gezeigt: Wir sind verschieden. Wir gehören zusammen! 💚💙❤️💛🧡🩷

Text: Achim Blohberger, Fotos: Ulla Blohberger