Zwischen dem Nachkriegs-Rathaus und dem Stadtmuseum wurde statt des alten Traditionscafés ein neues Gebäude, der „Gerer Treff“, eingefügt. Es ist das erweiterte Stadthausgebäude – ein architektonisches Schmuckstück und nachhaltiges Vorzeigeprojekt, natürlich mit barrierefreiem Zugang. Gebaut wurde viel mit recycelten Baustoffen und naturnaher Dämmung. Beleuchtet, gewärmt und gesichert sind alle Gebäudeteile mit smarter Energietechnologie.
Einrichtungen für soziale Daseinsvorsorge:
Auf den Schildern vor dem neuen Stadthausgebäude sieht man, welche Einrichtungen hier ein Quartier gefunden haben. Da sind neben den weiteren Büros für die Verwaltung auch Räumlichkeiten für Vereine und Gruppen entstanden, kleine offene Treffpunktstationen, eine Arztpraxis für Kinder- und Jugendmedizin, einige Beratungsstellen, z. B. eine psychosoziale Erstkontaktstation, ein Mädchen- und Frauenbüro, eine Nebenstelle von Pro Familia und das „Queer-Café Rainbow“. Hier findet sich auch der „Sitzungssaal des Kinder- und Jugendparlaments Groß-Gerau“.
Wohnraumbeschaffung, Klimahilfen:
Auf großes Interesse stoßen zwei neue Einrichtungen der Behörde. Zum einen ist das die kommunale Wohnungsvermittlung/Wohntauschbörse. Viele alleinstehende und ältere Bewohner sind inzwischen bereit, ihre zu groß gewordenen Häuser, Wohnungen und Gärten auch im Ringtausch gegen kleinere Wohnungen zu tauschen – im eigenen Interesse und zugunsten von Familien, die mehr Platz bitter nötig haben. Die Stadt hilft mit den rechtlichen Rahmenbedingungen bei Eigentum. In den letzten Jahren war die Kampagne „Lass deine Wohnung nicht leer stehen!“ sehr erfolgreich. Eigentümer konnten bewegt werden, ihre jahrelang leerstehenden Wohnungen erneut zu vermieten. Inzwischen wird, wie in vielen Städten, juristisch geprüft, ob Wohnungsleerstand nicht ebenso in die städtische Satzung aufgenommen werden soll wie die Zweckentfremdung von Wohnungen.
Dann ist da noch das „Prima Klima“-Infozentrum. Hier können sich die Bewohner mit aktuellen Infos zu Extremwetterlagen informieren, hier gibt es Tipps zur Gesundheitsfürsorge bei Hitze und Links zu professionellen Klima-Dienstleistern (Gebäudeschutz z. B.).
Sprechstunden und Infoveranstaltungen der Klimamanagerin mit ihrer überragenden Klima-Kompetenz werden häufig aufgesucht. Ein Schild weist im Sommer den Weg zum „Public Cool Room“ im Untergeschoss.
Moderner Bürgerservice, digitale Teilhabe, politische Beteiligung:
Die Stadtbewohner sind inzwischen sehr vertraut mit dem digital- und KI-gestützten Bürgerservice ihrer Verwaltung, der durch verbesserte digitale Teilhabe alle sehr gut mitnimmt. Den Organen der repräsentativen politischen Entscheidung und den Volksvertretern in der Stadtverordnetenversammlung wurden Organe der Bürgermitbestimmung beigesellt. Zugunsten von Bürgernähe, Gemeinsinn und Transparenz gibt es jetzt Beiräte für verschiedene Gruppierungen, wiederkehrende Runde Tische, Bürgerbefragungen, Stadtteilvertretungen.
Wehrhafte Demokratie, kluge Finanzstrategien, verantwortliche Wirtschaft:
Nach wie vor bringen sich Aktionsbündnisse gegen Rechts ein. Hassreden, Drohungen und Gewalt gegen gewählte Vertreter und antidemokratische Anträge führten in den letzten Jahren sofort zum Ausschluss aus der Sitzung und kamen zur Anzeige. Inzwischen ist die Partei der „Autoritären für Deutschland“ verboten, die Nachfolgepartei findet seitdem keinen nennenswerten Rückhalt in der Bevölkerung.
Die Stadt hat durch die Gemeindefinanzierungsreform des Bundes ihre Handlungsfähigkeit zurückgefunden. Wenn Bund und Land Leistungen von den Kommunen einfordern, müssen sie die Kosten inzwischen weitgehend tragen. Regierungen haben eingesehen, dass marode Infrastruktur und fehlende soziale Einrichtungen Demokratie und Vertrauen in den Staat zerstören und demokratiefeindlichen Parteien enormen Vorschub geleistet haben. Die Finanzen haben sich auch durch innovative Finanzierungsmodelle verbessert. So wurde z. B. die Spielautomatensteuer erhöht, die Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden zwecks Kostenersparnis verbessert, den Bürgern aber keine weiteren Erhöhungen zugemutet. Es gelang verstärkt, klimafreundliches und nachhaltiges Gewerbe anzusiedeln und den Mittelstand zu stärken. Hierbei konnte die Stadt auch Einfluss auf die Reduzierung von Arbeitszeiten bei Extremhitze nehmen.
Text: Jutta Stern (nach einer Idee im NABU-Magazin), Beitragsbild: KI generiert, Achim Blohberger
Zum Beitragsbild 2036: Es ist nicht spektakulär. Es ist auch berücksichtigt, dass das Stadthaus in dieser Bauform unter Denkmalschutz steht, also nur erhaltend veränderbar ist. Es schreit nicht „Zukunft!“, sondern sagt eher ruhig: Wir haben etwas weiterentwickelt, ohne das Alte zu überfahren.
Das Stadthaus links bleibt erkennbar in seiner 60er-/70er-Jahre-Verwaltungs-Architektur. Kein Glaswürfel darübergestülpt, kein Solarzirkus an der Fassade. Nur behutsam eingebettet in mehr Grün und Leben. Genau das passt zu Denkmalschutz: weiterdenken, ohne zu verdrängen. Und rechts entsteht etwas Neues, das einlädt – nicht monumental, sondern zugänglich. Der „Gerer Treff“ wirkt wie ein Ort, wo man reingeht, ohne Termin und ohne Hemmschwelle. Fahrräder, Lastenrad, Blumen, Menschen – das erzählt mehr über eure Vision als jede Schlagzeile. Utopien, die nicht spektakulär sind, wirken oft glaubwürdiger. Das hier ist keine Science-Fiction-Metropole. Das ist Groß-Gerau, das sich entschieden hat, freundlicher zu werden.
Das passt.
