Besuch beim Neujahrsempfang der Ahmadiyya Muslim Jamaat Groß-Gerau

Zum Auftakt des neuen Jahres waren wir als Grüne mit einer Delegation beim Neujahrsempfang der Ahmadiyya Muslim Jamaat Groß-Gerau in der Stadthalle zu Gast. Die Einladung richtete sich bewusst an Vertreter*innen der Zivilgesellschaft, Vereine und ehrenamtlich Engagierte – Menschen, die unsere Stadt tagtäglich mittragen und gestalten.

Durch den Abend führte Taemoor Kang, der neue Beauftragte für Auswärtiges der Gemeinde. In offener und herzlicher Atmosphäre stand der persönliche Austausch im Mittelpunkt – ganz im Sinne des Anliegens der Ahmadiyya, Begegnung zu ermöglichen, Vertrauen aufzubauen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Im Rahmen des Empfangs stellte sich auch der neue Imam der Gemeinde vor: Ferhad Ahmad Malik Ghaffar. Der 34-Jährige war zuvor in Wiesbaden tätig und übernimmt nun seine neue Aufgabe in Groß-Gerau. Ebenfalls anwesend war der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland, Abdullah Uwe Wagishauser, der in einer bewegenden Rede auf die aktuelle weltpolitische Lage einging.

Sowohl der Imam als auch der Bundesvorsitzende betonten eindringlich, wie wichtig es sei, konsequent für Gerechtigkeit einzutreten – für alle Menschen, unabhängig von Religion oder Herkunft. Frieden und ein solidarisches Zusammenleben seien keine abstrakten Ideale, sondern eine gemeinsame Aufgabe, die im Alltag beginne.

Deutlich kritisch äußerte sich der Bundesvorsitzende zu jüngsten Aussagen von Friedrich Merz. Insbesondere die Aussage, Israel mache in Gaza die „Drecksarbeit für uns“, wurde als verletzend und inakzeptabel benannt. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat verurteilt Gewalt klar und unmissverständlich – sowohl die Gewalt der Hamas als auch die des israelischen Militärs – und setzt stattdessen auf Dialog, Menschlichkeit und das Völkerrecht.

Ebenso widersprachen die Redner dem oft gezeichneten Zerrbild muslimischer Gemeinden in Deutschland. Die Ahmadiyya engagiert sich seit vielen Jahren aktiv für unsere Gesellschaft und unsere Städte: durch Reinigungsaktionen nach Silvester, Baumpflanzungen, Blutspendeaktionen und viele weitere ehrenamtliche Projekte. Dieses Engagement ist gelebte Verantwortung für das Gemeinwesen.

Die Ahmadiyya Muslim Gemeinde Groß-Gerau ist mit rund 1.100 Mitgliedern seit vielen Jahren ein fester Bestandteil des städtischen Lebens. Sie betreibt die Moschee Bait ul Shakoor an der B44, beteiligt sich regelmäßig am „Tag der offenen Moschee“ und an interreligiösen Dialogformaten. Ein besonderes Projekt ist der islamische Naturkindergarten, der durch den Wohlfahrtsverband An-Nusrat betrieben wird. Die Kita trägt spürbar zur Entspannung der derzeit sehr angespannten Betreuungslage in Groß-Gerau bei und steht allen Kindern offen – unabhängig von Herkunft oder Glauben.

Der Neujahrsempfang hat eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll persönlicher Austausch, Zuhören und gegenseitiges Verständnis für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind. In angenehmer Atmosphäre klang der Abend bei sehr leckerem gemeinsamen Essen aus. Wir bedanken uns herzlich für die Einladung und den offenen Dialog – und nehmen viele Impulse für eine weiterhin respektvolle, solidarische und friedliche Zusammenarbeit in unserer Stadt mit.

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