Bye, bye Rechenzentrum Am Lausböhl – Milliarden-„Deal“ glücklich geplatzt

Gelände „Am Lausböhl“ in Dornberg
Gelände „Am Lausböhl“ in Dornberg: Hier sollte ein großdimensioniertes Rechenzentrum entstehen.

Drei Jahre lang hatte der US-amerikanische Global Player Vantage versucht, das von ihm erworbene Gelände am Standort Am Lausböhl im Dornberger Stadtgebiet mit einem überdimensionierten Rechenzentrum zu bebauen. In der gestrigen, letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung, kurz vor der Kommunalwahl, ist dieses Vorhaben nun deutlich gescheitert.

Die ungewöhnlich gut besuchte Stadthalle – mit zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern – erlebte eine echte Sternstunde kommunaler Debattenkultur. Der Umgang miteinander war ausgesprochen respektvoll, die Beiträge kenntnisreich und klar. Nach einer langen und intensiven Aussprache wurde das Projekt schließlich mit 18 Nein-Stimmen bei 14 Ja-Stimmen abgelehnt.

Die Erleichterung war spürbar – nicht nur bei den direkten Anwohnerinnen und Anwohnern in Dornberg. Auch Monika Freitagsmüller (Freie Wähler) zeigte sich erleichtert darüber, dass die geplante Kubatur der fünf Gebäude, die das Zwanzigfache der Hochhäuser von Esch hätten erreichen sollen, verhindert wurde. Sie wies darauf hin, dass die Höhe der Anlage die Hochhäuser übertreffen würde.
Das gewohnte Stadtbild, geprägt vom Blick auf die Stadtkirche und den 1930 fertiggestellten Wasserturm als Wahrzeichen Groß-Geraus, wäre einem lärmenden, hässlichen Moloch gewichen, der alles andere verdrängt hätte – einem Bauwerk ohne Bezug zur Stadt und ihrer Geschichte.

Viele der engagierten Wortbeiträge gegen das Projekt wurden mit Applaus bedacht. Stadtverordnetenvorsteher Christian Wieser, in seiner letzten Sitzung, ließ diesen Beifall großzügig zu.

Bei der CDU, die geschlossen für das Vorhaben stimmte, entstand bei vielen Zuhörenden der Eindruck, dass die Fraktion den Argumentationslinien des Antragstellers Vantage nahezu kritiklos folgte. Unbelegte und haltlose Behauptungen wurden in den Raum gestellt: sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen, erhebliche Grundsteuererträge, hunderte regional geschaffene Arbeitsplätze, technologische Innovationen für Groß-Gerau. Über Jahrzehnte hinweg, so der Tenor, würden diese Einnahmen die prekäre Haushaltslage der Stadt beenden, Kinderbetreuungseinrichtungen sich von selbst finanzieren und freiwillige soziale Leistungen sichern. Kurz: Das „Goldene Kalb“ Rechenzentrum wurde präsentiert.

Erstaunlich war, mit welcher Disziplin die CDU diesen Ausführungen folgte und geschlossen zustimmte. Auch der Vertreter der beiden KOMBI-Parlamentarier kündigte deren Zustimmung an. Er führte unter anderem aus, dass eine kühlende Begrünung der Anlage durch eine Art sprühende Beregnung gewährleistet werden könne – eine Aussage, die bei vielen Zuhörenden lediglich ungläubiges Kopfschütteln auslöste. Dies geschah ungeachtet der Tatsache, dass die Hessische Landesregierung in den vergangenen Sommern Bewässerungsverbote erlassen und regelmäßig zu Wassereinsparungen aufgerufen hatte.

Der Vertreter der FDP zerpflückte anschließend genüsslich die Argumente der CDU und verwies sie ins Reich der Märchen. Zuvor hatte die SPD-Rednerin sachkundig und sehr ausführlich die Ablehnung ihrer Fraktion begründet. Sie berichtete dabei unter anderem von wiederholten, drängenden Anrufen durch Vertreter von Vantage, die sie schließlich als Belästigung untersagte.

Auch unsere Fraktion legte dar, warum eine Zustimmung nicht infrage kam.

Mit der Ablehnung des Projekts ist ein überdimensioniertes, städtebaulich wie ökologisch hoch problematisches Vorhaben vom Tisch. Offen bleibt nun, wie das Gelände Am Lausböhl künftig sinnvoll, sozial verträglich und zukunftsfähig entwickelt werden kann.

Beitrag und Foto: Achim Blohberger