Sondervermögen zielgerichtet für Zukunftsinvestitionen nutzen

Energiewende. Foto: Adobe Stock: René Notenbomer

Die Stadt Groß-Gerau bekommt aus dem Sondervermögen des Bundes 8,26 Millionen Euro zugeteilt. Das Sondervermögen bietet unserer Stadt eine seltene Chance. Die Mittel dürfen nicht im Alltagsgeschäft versickern, sondern sollen gezielt in eine starke, lebenswerte Zukunft fließen. Nur wenn wir heute klug investieren, schaffen wir morgen die Voraussetzungen für eine moderne Infrastruktur, eine nachhaltige Stadtentwicklung und ein Gemeinwesen, das kommenden Generationen echte Perspektiven bietet. Das Sondervermögen ist kein Geschenk, sondern ein Auftrag. Es wurde geschaffen, um zusätzliche, zukunftsgerichtete Investitionen zu ermöglichen.

Energie ist das Rückgrat unserer modernen Gesellschaft!

Ein Teil des Geldes könnte daher in den Ausbau der Energiewende fließen. Energie ist längst mehr als ein technisches Thema. Sie entscheidet darüber, ob unsere Wirtschaft funktioniert, ob unser Alltag reibungslos läuft und ob wir als Gesellschaft handlungsfähig bleiben. In einer Zeit, in der Versorgungssicherheit, Klimaschutz und steigende Kosten gleichzeitig Druck erzeugen, wird eines immer deutlicher: Wir müssen Energie neu denken – und zwar dort, wo sie gebraucht wird. Lokale Erzeugung, lokale Speicher und Nahwärme sind dabei keine Zukunftsvisionen, sondern zentrale Bausteine einer stabilen und nachhaltigen Energieversorgung. Lokale Erzeugung sorgt dafür, dass wir unabhängiger von globalen Krisen und volatilen Märkten werden. Speichermöglichkeiten vor Ort machen Energie flexibel nutzbar und gleichen Schwankungen aus – ein entscheidender Faktor für erneuerbare Energien. Nahwärmenetze ermöglichen effiziente, klimafreundliche Wärmeversorgung direkt in unseren Quartieren und entlasten gleichzeitig Haushalte und Infrastruktur.

Die lokale Erzeugung und die dazugehörigen Speichermöglichkeiten vor Ort könnten auf dem Gewerbegebiet „Lausböhl“ entstehen. Moderne Photovoltaikanlagen produzieren den Strom. Der nicht verbrauchte Strom wird durch Batteriespeicher gesichert. Der Ausbau des Nahwärmenetzes kann in Kooperation mit lokalen Energiegenossenschaften gelingen. Unter anderem könnten Großwärmepumpen ganze Quartiere oder Stadtteile mit Wärme versorgen. Um Energie zu sparen, bietet es sich zudem an, die energetische Sanierung/Dämmung städtischer Gebäude voranzutreiben. Dezentral könnten auch hier Wärmepumpen installiert werden.

Mehr Investitionen in sozialen Wohnungsbau – ein Gebot der Zeit

Gezielt sollte ein Teil des Geldes auch in den sozialen Wohnungsbau fließen. Denn bezahlbarer Wohnraum ist längst zu einer zentralen sozialen Frage geworden. Steigende Mieten, knapper Wohnraum und der Druck auf Familien, Alleinerziehende und Menschen mit geringem Einkommen zeigen deutlich: Ohne entschlossene Investitionen wird sich die Lage nicht entspannen. Sozialer Wohnungsbau schafft nicht nur Wohnungen, er schafft Stabilität, Teilhabe und Zukunftsperspektiven. Jede neu gebaute oder sanierte Wohnung entlastet den Markt, stärkt die soziale Durchmischung und sorgt dafür, dass unsere Städte lebenswert bleiben. Wer heute in sozialen Wohnraum investiert, investiert in den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Es ist eine Aufgabe, die nicht aufgeschoben werden darf.

Hier bietet sich ebenfalls das Gewerbegebiet „Lausböhl“ an. Zwar müsste zunächst eine Umnutzung beschlossen werden, doch dieser Beschluss würde sich lohnen. So könnten neben den Batteriespeichern und Photovoltaikanlagen, die direkt entlang der Bahntrasse installiert werden, dort auch neue Sozialwohnungen entstehen. Auf diesen könnten dann Photovoltaikanlagen errichtet werden. In Naturnähe würde somit ein neues Wohnquartier entstehen, welches zugleich autark und nachhaltig ist. Ein Quartier mit ähnlichem Konzept könnte auch auf dem derzeitigen Bauhofgelände entstehen.

Digitalisierung braucht ein starkes Fundament: Glasfaser

Die Digitalisierung verändert unser Leben in rasantem Tempo. Ob Bildung, Wirtschaft, Verwaltung oder Gesundheitswesen – überall entstehen neue Möglichkeiten, aber auch neue Anforderungen. Damit all das funktioniert, braucht es ein stabiles Fundament: ein leistungsfähiges, flächendeckendes Glasfasernetz. Die Digitalisierung könnte mit einem Teil des Geldes daher schneller und effizienter vorangetrieben werden. Der Glasfaserausbau könnte beschleunigt werden. Noch immer besteht in Groß-Gerau kein flächendeckender Glasfaserausbau. Ein starkes Glasfasernetz ist kein Luxus, sondern eine Zukunftsversicherung. Wer heute ausbaut, schafft morgen Chancen für Wirtschaft, Gesellschaft und jeden einzelnen Haushalt.

Das Sondervermögen wirkt dann am stärksten, wenn es nicht nur Geld verteilt, sondern Strukturen schafft, die dauerhaft attraktiv sind. Unternehmen kommen, wenn sie sehen, dass eine Stadt modern, verlässlich und zukunftsorientiert handelt. Jetzt liegt es an Verwaltung und Stadtparlament, die richtigen Grundlagen zu schaffen – mit klaren Prioritäten, verlässlichen Strukturen und dem Mut, langfristig zu denken.

Meinung von Thomas Richter, Mitglied des Ortsverbandes und Kandidat für die Kommunalwahl 2026;  Titelfoto Energiewende: Adobe Stock / René Notenbomer