Tschernobyl, 40 Jahre danach

Demonstration „25 Jahre Tschernobyl“ am 25.4.2011 zur Urananreicherungsanlage in Gronau, NRW, Deutschland
Demonstration „25 Jahre Tschernobyl“ am 25.4.2011 zur Urananreicherungsanlage in Gronau, NRW, Deutschland

Am 26. April  1986 kam es im Atomkraftwerk in Tschernobyl (damals Sowjetunion, heute in der Ukraine) zu einer Kernschmelze. In Schweden wurde am 28.4.1986 erhöhte Radioaktivität festgestellt. Die russischen Behörden leugneten die atomare Katastrophe, aber  Sattelitenbilder lieferten den Beweis. Dadurch war die Bevölkerung viel zu spät informiert worden. Es wurde eine Sperrzone von 30km um das Kernkraftwerk eingerichtet und die Bevölkerung evakuiert. Diese Region war besonders von dem  hochradioaktiven Plutonium betroffen. Schätzungen zufolge ist die Region erst in 20000 Jahren wieder  bewohnbar.

Die Wolke mit radioaktiven Partikeln zog über Polen, Deutschland.  Als Regen einsetzte, wurde der Boden  mit dem radioaktiven Material kontaminiert.  Dazu gehörten die leicht flüchtigen Radionuklide Jod und Cäsium.  Weite Teile Deutschlands waren betroffen, insbesondere der bayrische Wald.  Milch von Kühen, die auf der Wiese standen, Gemüse von den Feldern mußte entsorgt werden. Es wurde vor dem Verzehr von selbstgesuchten Pilzen gewarnt, weil sie hoch belastet waren. Im Bayrischen Wald wurde eine Sperrzone für Pilzesammler eingerichtet, Spielplätze durften nicht mehr betreten werden, später wurde der Sand ausgetauscht. Die Behörden gaben die Empfehlung heraus,  Kinder zu waschen, wenn sie draußen waren.  Für Familien mit Kindern war es eine schwierige Zeit. Manche Leute sind ausgewandert, zum Beispiel nach Teneriffa, dort gab es im Sonderangebot Milchpulver aus Deutschland.

Im Supermarkt waren innerhalb kurzer Zeit die Regale mit Milch und Milchprodukten leer gekauft. Täglich war es Pflicht, in die Zeitung zu schauen, dort wurden Tabellen veröffentlicht, welche Lebensmittel stark kontaminiert waren und vermieden werde sollten. Jeder wußte, was mit Becquerel und  Halbwertszeit gemeint war.  Gemüse, Fleisch von Tieren, die im Freien gehalten wurden, Wild, Milchprodukte, das waren die Lebensmittel, die vermieden werden sollen. Wichtig war auch das Herkunftsland.  Das radioaktive Jod hat eine Halbwertszeit von wenigen Tagen und  ist nach kurzer Zeit abgebaut. Es lagert sich besonders in der Schilddrüse an. Das Radioaktive Cäsium hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren, sollte jetzt zu einem großen Teil abgebaut sein. Der bayrische Rundfunk hat am 25.9.2025  eine Warnung herausgegeben, dass Pilze und Wildbret aus dem bayischen Wald noch immer hoch belastet sind.

Die Mitarbeiter des AKW, die zum Zeitpunkt des Unfalls dort gearbeitet haben, eingesetzte Feuerwehrleute, sowie Helfer, die für Aufräumarbeiten herangezogen wurden, starben an der Strahlenkrankheit. Laut WHO starben ca 4000 an den direkten Folgen. Die Zahl der Krebserkrankungen, insbesondere Schilddrüsenkrebs, Leukämie nahm zu. Auch der Anstieg von Neugeborenen  mit Fehlbildungen war deutlich.  Genaue Zahlen sind nicht bekannt, da man keinen direkten Bezug zu den Strahlenbelastungen herstellen konnte.

Das havarierte Kraftwerk bekam eine provisorische Schutzhülle, die aber brüchig wurde, so dass man 2016 eine weitere Schutzhülle benötigte, die angeblich hundert Jahre halten sollte. Im Februar 2025 schlug eine russische Drohne in das Dach ein und beschädigte es, sodass weitere Sanierungsmaßnahmen erforderlich werden.

Beitrag: Elisabeth Schweikert, Foto: Juri Hößelbarth / wikimedia.com