Auf dem Titelbild sieht man eindrucksvoll die Skyline von Frankfurt mit ihren vielen Banken und rechts ganz allein wie ein mahnender Finger die EZB – Europäische Zentralbank.
Seit 2025 sind Banken und Versicherungen von der EZB und der europäischen Aufsicht dazu verpflichtet eine neue Risikoart zu bewerten, bei der Finanzstruktur einzukalkulieren und am Ende zu melden, es geht um die ESG Berichtspflichten. ESG steht für Environmental Social Governance – wie nachhaltig und sozial ist das Geschäft aufgestellt? Hier geht es um den eigenen CO2 Fußabdruck und um die soziale Verantwortung im Unternehmen, aber auch welche Firmen man finanziert oder versichert und welche ESG Standards diese wiederum erfüllen. Das Risikomanagement muss sich anpassen und auch Klimarisiken beziffern können. Versicherungen müssen höhere Rückstellungen für mögliche Naturkatastrophen bilden. Auswirkungen von steigenden Temperaturen auf die Umsätze und das Geschäft von Kunden und der Einfluss auf Lieferketten muss mitbedacht werden.
Es ist ein Themengebiet, das noch nicht richtig messbar ist und stellt Banken und Versicherungen vor Herausforderungen. Welche Informationen werden benötigt und können genutzt werden? Was sind mögliche Folgen? Wie hoch lässt sich der Verlust unter möglichen Risikofaktoren beziffern?
Auch für die Stadtplanung ist es wichtig solche Aspekte mit zu bedenken: z.B. könnte sich durch eine nachhaltige Entwicklung des Industriegebietes ein Standortvorteil erzielen lassen. Hier ein paar Gedanken / Ideen dazu:
- Entsiegelte Flächen bieten bessere Möglichkeiten um Regenwasser aufzunehmen, die Niederschlagswassergebühr sinkt. Es gibt insgesamt ein geringeres Hochwasserrisiko und die ESG Bilanz steigt, das bietet auch direkt bessere Versicherungsbedingungen.
- Grünflächen (auch gerne mit Blick auf Biodiversität) schaffen passive Kühlung. In Kombination mit einem Solarpark lässt sich der CO2 Fußabdruck deutlich senken. Das steigert weiter die ESG Bilanz.
- Eine nachhaltige Infrastruktur fördert die Attraktivität des Standorts. Unternehmen müssen sich auch mit dem ESG Thema auseinandersetzen, nicht einhalten von Verpflichtungen könnte zu Sanktionen, Strafen oder Reputationsschaden führen. Deshalb wählt man möglichst den Standort aus, der bereits eine nachhaltige Struktur bietet und man somit auch in Zukunft rechtssicher agieren kann.
Die europäische Aufsicht und die EZB haben bereits erkannt, wie wichtig es ist eine nachhaltige und soziale Struktur im Unternehmen aufzubauen. Fehlt diese, muss auf lange Sicht mit höheren Kosten gerechnet werden. Groß-Gerau gehört zu den 7 Kommunen in Hessen, die als Pilotkommune ausgewählt wurde für das EU-Programm „IB-Green: Industrie- und Gewerbegebiete – klimaresilient und fit für die Zukunft“. Diese Chance sollte genutzt werden, um hier einen Standortvorteil aufzubauen und zukunftsorientierte Unternehmen anzulocken.
(Text und Foto: Anastasia Dietz, Beisitzerin im OV GRÜNE Groß-Gerau)
